Okay, MrMKL, ich habe das sicherlich überspitzt formuliert. Liegt wohl daran, dass mir die Miesepetrigkeit in unserem (wirklich) tollen Land so auf den Zeiger geht. Wir leben in einem der wohlhabendsten Länder auf dieser Erde, genießen eine hervorragende Gesundheitsversorgung, Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und weitestgehende Stabilität...und ich höre jetzt schon höhnisches Gelächter und ein "Ja, noch!", gefolgt von Untergangsszenarien. Das höre ich aber schon seit Jahrzehnten.
Natürlich kann und sollte man vieles noch besser machen: Digitalisierung, Bürokratieabbau, soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Umweltschutz, Integration, Ausrichtung von Subventionen etc., aber die Undankbarkeit für das, was wir doch eigentlich haben, das Anspruchsdenken und oftmals die Verweigerung, die Sachverhalte und Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und in diesem Spannungsfeld gelassen abzuwägen lässt einen gelegentlich verzweifeln. Und dann ist die Regierung (die ich auch nicht gewählt habe) immer an allem Schuld und muss schnellstmöglich wieder ausgetauscht werden, damit man sich über die nächste "schlechteste Regierung aller Zeiten" aufregen kann.
Manchmal denke ich, wir sind wie ein kleines, plärrendes Kind: Müde, übersättigt und die Buchse voll - und egal, was Mama und Papa tun, nichts ist richtig.
Das war nicht speziell gegen dich gerichtet, MrMKL. Ich ertappe mich ja gelegentlich selbst dabei, wie ich mich über so manche Dinge aufrege, die man viel schneller viel besser machen könnte. Und dann muss ich mich immer wieder bremsen und mir sagen: So semmer halt, schnelle Veränderungen wollen wir Deutschen gar nicht. Hat alles seine Vor- und Nachteile und richtig oder falsch gibt es da nicht.